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Reportage, 30 Minuten, 2004

Regie: Stephan Jakel
Kamera: Alecs Heiduschka
Ton: Laurent Desmetz
Schnitt: Sylvia Seuboth Radtke
Produktion: EAV Broadcast Services, Michael Blanz
Drehzeit: Sommer 2004
Drehort: Weingarten, Oberschwaben

Im Oberschwäbischen gelegen, ist Weingarten weit mehr als ein Anhängsel von Ravensburg. Zwar gehen beide Städte fast ineinander über, ein Besuch lohnt sich dennoch in der Stadt rund um die Basilika. Seit 1865 heißt die Stadt "Weingarten", davor war Altdorf, so der frühere Name, über lange Jahrhunderte eine Ansammlung von Häusern rund um den Martinsberg. Der Klosterberg war und ist auch noch heute das Zentrum: Kloster, Basilika, Pädagogische Hochschule, was Rang und Namen hat, liegt dort oben. Die Stadt drumherum hat sich vor allem deshalb entwickelt, weil sich Handwerker niederließen, die ihre Dienstleistungen dem Kloster zu Verfügung stellten.

Altdorf war schon sehr früh Stammsitz des berühmten Welfengeschlechts. Diese gründeten das Kloster und siedelten 1054 schließlich Benediktinermönche im Kloster an. Die Welfen waren es auch, die im Jahre 1094 die Heilig-Blut-Reliquie dem Kloster vererbten. Judith von Flandern hinterließ neben vielem anderen auch einen kleinen Klumpen Erde, die der Sage nach, mit dem Blut Jesu vermischt sein soll. Der Legionär Longinus, der Jesus am Kreuze die Seite mit einer Lanze öffnete, wurde unmittelbar darauf von einem Augenleiden erlöst. Er erkannte sofort die Kraft des Blutes, sammelte es auf und wurde Christ. In der Christenverfolgung schließlich vergrub er es, und erst Jahrhunderte später hatte ein Blinder eine Offenbarung. Über Umwege gelangte es schließlich zu Judith von Flandern, die Welf, den IV. heiratete.

Diesem Erbe, das über lange Jahrhunderte Weingarten berühmt gemacht hat, wurde zunächst jedoch keine besondere Bedeutung beigemessen. Erst Jahrzehnte später entdeckte das Kloster Weingarten selbst die Anziehungskraft der Reliquie. Ströme von Wallfahrern kamen schon bald - zeitweise schien es, als sei den Klosterbrüdern das Interesse für die Reliquie fast lästig. Immer wieder änderte sich deshalb auch der Aufbewahrungsort der Reliquie, bis man sich schließlich dafür entschied, dass eine neue Kirche gebaut werden sollte "...zur Anbettung deß allerhöchsten Blutes": Im Barock entstand die Basilika, quasi als eine Art überdimensionaler Schrein der Reliquie.

Marienanbetungen, Wallfahrertum und Reliquienverehrung aller Art wurden beim breiten Volk immer beliebter. In Weingarten entstand so der Blutritt. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1529. Wann aber genau das erste Mal die Reliquie in einer Prozession durch die Straßen der Stadt und dann über Lande getragen wurde, weiß man nicht genau. Im Barock jedenfalls hatte das Brauchtum mit über 7.000 Reitern seinen Höhepunkt. 3000 Herren hoch zu Ross sind es auch heute noch. Damit ist der Blutritt die größte Reiterprozession Europas und lockt jährlich 30000 Pilger und Schaulustige an. Der Blutritt findet immer zu Christi Himmelfahrt statt.